• Matias Barberis Rami / Veronika Schreiber / Tibor Aßheuer / Andreas Koch / Christian Smigiel
  • Salzburg / Photo by DAVID ILIFF. License: CC-BY-SA 3.0
  • Typical neighborhoods in Valparaíso / Chile / Photo by Matias Barberis Rami 2016
  • Gated Communities in Santiago de Chile / Chile / Photo by Christian Smigiel 2009
  • Matias Barberis Rami / Veronika Schreiber / Tibor Aßheuer / Andreas Koch / Christian Smigiel
  • Open-air garbage dump in front of Villarrica Volcano / Chile / Photo by Matias Barberis Rami 2011
  • Men moving out of a slum in Dhaka / Bangladesh / Photo by Tibor Aßheuer 2010
  • Shenzki Bazar Sofia / Bulgaria / Photo by Christian Smigiel 2009
  • Matias Barberis Rami / Veronika Schreiber / Tibor Aßheuer / Andreas Koch / Christian Smigiel
  • Salzburg at night / License: CC-BY-SA 3.0
  • Urban tourism meets gentrification in Valparaiso / Chile / Photo by Christian Smigiel 2009
  • Impressions of Washington DC / USA / Photo by Christan Smigiel 2010
  • Matias Barberis Rami / Veronika Schreiber / Tibor Aßheuer / Andreas Koch / Christian Smigiel
  • Coastal Erosion in Alagoas / Brazil / Photo by Matias Barberis Rami 2011
  • Historical Center of Quito / Ecuador / Photo by Matias Barberis Rami 2012

Was Sozialgeographie enthüllt..

In seinem vielbeachteten Buch Generative Social Science – Studies in Agent-Based Computational Modeling stellt Joshua Epstein (2006: 5) die Generalistenfrage:

“How could the decentralized local interactions of heterogeneous agents generate the given regularity?”

Die stimulierende Frage und die Suche nach geeigneten Antworten bedingen eine Reihe von aufeinander bezogenen weiteren Aspekten, mit denen sich Sozialgeographie heute auseinandersetzt. Zum einen geht es um die Spannweite sozialer Einheiten, die sich zwischen dem Individuellen und dem Gemeinschaftlichen aufspannen – seien dies nun lokale Gemeinschaften oder regionale, nationale oder globale Gesellschaften. Zum anderen spielt Dezentralisierung eine entscheidende Rolle: vielfältige Handlungsspielräume sind in größere Kontexte eingebettet, gerahmt von gesellschaftlichen und rechtlichen Normen, kulturellen Ideologien und ökonomischen Verhaltensweisen. Hinzu kommt, dass heterogene Agenten auf der lokalen Ebene einen Wandel durch Aggregation durchlaufen, der zu mehr oder weniger homogenen sozialräumlichen Einheiten führt, die ihrerseits de facto existierende Einkommensungleichheiten, gesellschaftliche und wirtschaftliche Teilhabechancen, Zugehörigkeit, Anerkennung und Zugang zu Märkten verschleiern.

Regelhaftigkeit ist darüber hinaus, zumindest teilweise, mit der Wahrnehmung von Mustern verbunden, die nicht zwingend von den Agenten selbst wahrgenommen werden, die aber auf der Ebene der Beobachtung zweiter Ordnung erkannt werden können.

All diese Begriffe, Konzepte und Vorstellungen sind Teil einer Sozialgeographie, die ihr Augenmerk auf die Beziehungen bzw. Bindungen zwischen Raum und Gesellschaft richtet.  Auf diese Weise oszilliert Sozialgeographie theoretisch und epistemologisch zwischen der abstrakten Welt der nicht unmittelbar wahrnehmbaren und vorstellbaren Phänomene einerseits und der konkreten Welt von z.B. den Lebensbedingungen armer Migranten in einem Londoner Stadtteil.

Bruno Latour (in Reassembling the Social, 2005: 174) bringt es auf den Punkt, indem er konstatiert, dass wir in und mit einer Infrasprache arbeiten, “… such as the weak terms of ‘group’, ‘actor’, ‘agency’, ‘translation’, and ‘fluid’. Like the notion of network, they don’t designate what is being mapped, but how it is possible to map anything from such a territory. They are part of the equipment lying on the geographer’s desk to allow him to project shapes on a sheet of paper”.

In diesem Sinne sollte Sozialgeographie einige übergeordnete Annahmen berücksichtigen, von deren Relevanz im wissenschaftlichen Denken wir überzeugt sind: (1) ein konsequentes Denken in Modellen. Es gibt keinen unmittelbaren Zugang zu „Realität“, wir sind ständig mit Modellen konfrontiert, die auf andere Modelle verweisen, die ein Original, aber keine absolute Wahrheit oder Wirklichkeit repräsentieren. (2) Kontextualisierung ist notwendig, selbst dann, wenn wir nicht in der Lage sind, ganzheitliche Beziehungsnetzwerke zu rekonstruieren. (3) Auf den Maßstab kommt es an! Und: man muss eine Unterscheidung treffen! Am Anfang steht das Ur-Teilen. Kontexte, Einheiten, Beziehungen und Wechselwirkungen variieren mit der Veränderung des Maßstabs – und Maßstab bedeutet eine dreifache Vereinigung räumlicher, zeitlicher und sozialer Differenzierungen.

Um mit Elmar Holenstein (aus seinem Philosophie-Atlas, 2004: 7) zu sprechen: „Geographie ist von der Natur ihrer Sache her eine hermeneutische Wissenschaft, sie macht Zusammenhänge sichtbar. Was die Geographie aufzeigt, zeigt sie in einem Kontext“.

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